Szenenwechsel im
Kulturbahnhof kreuztal
"who is sitting in the glass house?"

Kofferturm

„Ich hab´ noch einen Koffer in Kreuztal…“

Das richtige Signal am KULTURBAHNHOF KREUZTAL – eine Landmarke für Reisende von Annette Besgen und Ulrich Langenbach.
Die Stiftung der Sparkasse Siegen für Kunst und Kultur engagiert sich für die Realisierung eines wegweisenden Akzents in Kreuztal.

In Anlehnung an das wunderschöne alte Lied von Marlene Dietrich “Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ dürfen sich in naher Zukunft auch viele Bürgerinnen und Bürger Kreuztals und der Region mit ihrem ganz persönlichen Koffer voller „…Seligkeiten vergangener Zeiten..“ in Kreuztal verewigen.
Wie das gehen soll?  Dazu später mehr…

Die Stiftung

Die „STIFTUNG DER SPARKASSE SIEGEN FÜR KUNST UND KULTUR“ hat bereits in der Vergangenheit mit großem Engagement die Realisierung der Künstlerateliers im Kulturbahnhof sowohl ideell als auch finanziell unterstützt, wodurch eine Reihe kunstspezifischer Ausbaumaßnahmen und Einrichtungskomponenten im neuen Kreuztaler Bahnhof umgesetzt werden konnten. So konnte das Gesamtkonzept zu dem „Kunst-Ort“ werden, der er nach dem Wunsch der Verantwortlichen sein soll.

Abgerundet wird der „Kunst-Ort“ am Kreuztaler Bahnhof jetzt durch eine Landmarke in Form einer Skulptur, die ein zentrales Element unserer mobilen Gesellschaft eindrucksvoll betont: das Reisen. Ohne auffälligen „designhaften Schnickschnack“ wird die aus Glas, Edelstahl, Beton und Koffern bestehende Skulptur von Annette Besgen und Ulrich Langenbach, den Kreuztaler Bahnhof als kulturell bedeutsamen Dreh- und Angelpunkt der Stadt markant und frisch inszenieren.

Die Skulptur

Die überregional bekannten Künstler Annette Besgen und Ulrich Langenbach haben unter dem Arbeitstitel „Kofferturm“ eine Außenplastik entworfen, die sicherlich für Gesprächsstoff in der Öffentlichkeit sorgen wird. Mit ihrem Entwurf haben die beiden Künstler ihre angestammten Metiers verlassen, mit denen sie sich bisher weit über die Region hinaus profiliert haben.

Der „Kofferturm“, eine „leichte“ Skulptur, ohne erkennbare expressive Formgebung eines einzelnen Künstlers nimmt Bezug auf den Bahnhof und damit auch auf das Reisen und die Mobilität im weitesten Sinne, indem sie ihren Glasturm öffnet für Koffer und Gepäckstücke für alle, die mitreisen wollen bzw. bereit sind, diesen Turm mit Vergangenheit oder Zukunft zu bestücken.

Der Entwurf ist wegen seiner Leichtigkeit, den verwendeten Materialien, seiner modernen Anmutung und vor allen auch wegen des kommunikativen Charakters, verbunden mit der Möglichkeit im Laufe der Zeit von der Stadtbevölkerung als sozialer Treffpunkt genutzt zu werden, vom Vorsitzenden Jochen Schreiber (SPD) und der damaligen stellv. Vorsitzenden des Kulturausschusses Karin Kurth (CDU) , ausdrücklich gelobt worden.

Die Skulptur ist ca. 5 m hoch und besteht aus einem ca. 80 cm hohen Betonsockel und einem darauf aufgesetzten Glaszylinder mit einer Kantenlänge von jeweils 1,20 m. Auf Sitzhöhe wird der Betonsockel von einer Holzbank umrandet. Der Glaszylinder soll mit gesammelten Koffern gefüllt werden, die sich bis zu einer Höhe von ca. 4 m vor einem auf Folie gedruckten und auf den Glasscheiben geklebten Himmel auftürmen. Am oberen Rand „endet“ der Himmel des Kofferturms mit einem „Schriftband“ aus folgenden Satz-Fragmenten und einzelnen Worten, die an jeder Seitenfläche der Plastik „eingefasst“ sind:

  • 50° 57' N, 7° 59' O (von Besgen, exakte Koordinaten des Standorts der Plastik)
  • si loin, si proche  (von Besgen; heißt übersetzt: so weit, so nah)
  • tränen punktieren den abschied was dem Auge fehlt  (Langenbach)
  • die frage ist nicht wohin  (Langenbach)

Das Konzept der Skulptur nimmt Bezug zum Standort bzw. zur Funktion, zum Zweck, zum Sinn eines Bahnhofs: Kommen und Gehen, Reisen, Koffer, Abschied, Nähe und Ferne. Die Sitzbank lädt die Reisenden zum kurzen Verweilen/Warten ein: verschnaufen, kurze Kontakte, beobachten und verweilen. Das Konzept der Skulptur bindet die Bürgerinnen und Bürger der Region ein: Sie werden dazu eingeladen, an der Entstehung der Skulptur teilzuhaben, indem sie Koffer zur Füllung des Glaszylinders spenden – somit weist die Skulptur auch Charakterzüge einer „sozialen Plastik“ auf.

Technische Details

Quadratische Grundfläche:
L x B:  1,20 x 1,20 m & ca. 50 cm umlaufende Sitzfläche, mit dem Fundament abschliessend.
H: 4,70 m
Verwendete Materialien: Glas und Beton (Sockel), Holz für den Sitzbereich rund um die Skulptur, Edelstahl für den Deckel und die Halterung zur Untergliederung der eingefüllten Gepäckstücke.
Die Skulptur wird mit einem mechanischen Belüftungssystem ausgestattet, das Verwitterung und Fäulnis verhindern soll.

Gemeinsames Statement der „Künstlergemeinschaft“ Besgen & Langenbach zur Entstehung der Skulptur

"Manchmal bedarf es Impulsen von außen, um ein fast undenkbares Projekt zur Realisation zu bringen. In unserem Fall, Besgen und Langenbach, ist unser beider Werk von so unterschiedlicher Prägung, dass man es sich größer kaum vorstellen kann. Diejenigen, die mit unserer Kunst vertraut sind, werden diese Tatsache kopfnickend bejahen. Folglich schien eine Zusammenarbeit eher unwahrscheinlich. Die 'Umstände' oder besser gesagt, die Suche von Stadt und Kulturstiftung der Sparkasse nach einer künstlerischen Arbeit für den Außenbereich des Kulturbahnhofs Kreuztal, hat die Schwerkraft des Unmöglichen aufgehoben:

Erstaunlicherweise kamen wir ohne vorherige Absprache bei unserem ersten „brainstorming“ zu der übereinstimmenden Erkenntnis, dass es nur eine konzeptuelle Arbeit sein könne, die zu einem überzeugenden Vorschlag führen würde. Erstens, weil unsere künstlerischen Ansätze so verschiedene Handschriften tragen und zweitens, weil wir beide keine expliziten Plastiker sind.

Bis zum ersten gedanklichen Entwurf ging alles sehr schnell: es sollte eine schlanke, sehr hohe, ´leichte´ Skulptur sein, ohne erkennbare expressive Formgebung eines einzelnen Künstlers und ohne auffälligen designhaften ´Schnickschnack´. Inhaltlich sollte sie Bezug nehmen auf den Standort Bahnhof und dessen Funktion, das Reisen.
Auch bei der Materialauswahl, Beton für den Sockel und Glas für die darauf befindliche viereckige Säule, bestand erstaunlicherweise einmütige Übereinkunft.

Die anderen Aspekte, den Glasturm mit Koffern zu füllen und die Gepäckstücke hinauf in einen auf Folie gedruckten und auf den oberen Abschnitt des Glaskörpers geklebten Himmel zu stapeln, fügten sich sukzessive ins Besgen-Langenbach-Konzept. Die ´Krönung´ sollte ein Textband sein, das den Himmel nach oben hin begrenzt und die Gedanken wieder nach unten zum Betrachter/Leser führt. Zwei Seiten werden von Langenbach, zwei von Besgen beschriftet. In den jeweiligen Sätzen/Satzfragmenten bzw. Wörtern spiegelt sich wohl am ehesten eine individuelle künstlerische Prägung wider (wenn überhaupt).

Etwas später wurde der Entwurf durch zwei weitere Ideen komplettiert:
Eine hölzerne Bank, in Sitzhöhe am Betonsockel befestigt, soll den Reisenden/Wartenden einladen, sich zu setzen, seine Reisetasche, seinen Koffer oder Rucksack abzustellen und zu verweilen. ( ankommen, hiersein, weggehen)
Und, die Siegerländer Bevölkerung soll durch einen Presseaufruf dazu eingeladen werden, ihre Koffer abzugeben und dadurch Teil des künstlerischen Werks zu werden.

Die Koffersammlung

„Ich hab noch einen Koffer in Kreuztal.
Der bleibt auch dort und das hat seinen Sinn.
Auf diese Weise lohnt sich die Reise,
denn, wenn ich Sehnsucht hab, dann fahr´ ich wieder hin…..“

Marlene Dietrich singt in Ihrem berühmten Lied natürlich über Berlin, aber die Zeilen dieser Strophe haben ab sofort auch einen tieferen Sinn für die Bürgerinnen und Bürger in unserer Region. Ein wesentlicher Bestandteil der gläsernen Außenplastik für den Kulturbahnhof ist der Inhalt des „Kofferturms“: nämlich Koffer in allen Variationen.

Groß, klein, alt, neu, Hartschalenkoffer, Reisetaschen, Rucksäcke, Koffer mit Geschichte oder ohne, außergewöhnliche und ganz normale, Koffer aus Leder, Holz, Blech oder Stoff und, und, und…

Alle Reisenden – im eigentlichen und im übertragenen Sinne – werden hiermit aufrufen, die neue Landmarke mit Leben zu füllen und einen Koffer aus Berlin oder anderswo zu stiften, um zu zeigen, dass es weitergeht, dass nichts bleibt wie es ist und dass Stillstand allzu oft ein Ende einläutet, auf dessen Gefahren Annette Besgen und Ulrich Langenbach mit künstlerischen Mitteln und gesellschaftlichem Engagement hinweisen können und wollen. Aber die Symbolkraft der Skulptur soll nicht überstrapaziert werden, sondern die Künstler freuen sich ganz einfach mit allen Bürgerinnnen und Bürgern darüber, dass eine kulturelle und soziale Energie mit Hilfe der Stiftung in die richtige Richtung bewegt wird – nämlich nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen, nach unten und nach oben.