Szenenwechsel im
Kulturbahnhof kreuztal
"Figuration Abstraktion"

Aktuelle Ausstellung // Szenenwechsel XXXV

Michael Schumann

"Figuration Abstraktion"

Als ich als junger Schüler anfing zu malen waren meine ersten Bilder figurativ angelegte Zeichnungen oder Malereien von Personen wie Landschaften. Hierbei galt mein hauptsächliches Interesse einer realistischen Darstellungsweise, bei der die Wiedererkennbarkeit im Vordergrund stand. Eine Person oder eine Landschaft sollte wieder erkennbar sein. Erst  Jahre später vollzog sich im Rahmen der Auseinandersetzung mit großen Vorbildern (z,B, Lucian Freud) nach und nach ein Perspektivenwandel: wichtig war mir nicht mehr nur eine realistische Darstellung, jedenfalls nicht primär, sondern die Aussagekraft des Dargestellten, sein Ausdruck oder sein innerer Gehalt, seine narrative Qualität, so könnte man sagen.

Mit dieser Entwicklung war noch ein zweiter Perspektivenwechsel verbunden. In dem Maße wie die bloße Wiedergabe von Realität an Bedeutung verlor hat sich in meiner Arbeit ein freier Raum entwickelt, in dem ein ausgiebiges Experimentieren mit Farben und Formen möglich wurde. Dieses Experimentieren mit Linien, Flächen und Formen, mit Strategien der Reduzierung oder der Übertreibung, nicht zuletzt mit Farben, hat mir Zugänge zur abstrakten Malerei eröffnet, bei der nicht mehr die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Realität wichtig war, sondern die Konstruktion, besser gesagt die Erschaffung  einer Wirklichkeit zweiten Grades, d.h. die Darstellung von etwas gänzlich Neuem, noch nie zuvor Gesehenen.

Hierbei gibt es Übergänge von der figurativen in die abstrakte Malerei wie umgekehrt. Vielen meiner Bilder sieht man es an, dass sie ursprünglich figurativ und realistisch angelegt waren, wie es umgekehrt auch abstrakte Bilder gibt, die deutliche Spuren von Figuration bzw. Gegenständlichkeit aufweisen. Dann gibt es Bilder, die genau in der Mitte zwischen Figuration und Abstraktion stehen, wie das beim Motivbild dieser Ausstellung („Cafe Basico“) zu sehen ist, das als figuratives Bild ebenso wie als abstrakte Komposition zu lesen ist.

Mich interessieren als Maler diese  Übergänge. Wie kommen sie zustande, sind es Zufälle, ob ein Bild in die eine oder die andere Richtung geht? Oder ist es das Ergebnis einer Entscheidung des Malers bei der Arbeit, ob es in die eine oder andere Richtung gehen soll? Nicht zuletzt ist interessant die damit zusammenhängende Frage, durch welche formalen Elemente dies gesteuert wird?