Szenenwechsel im
Kulturbahnhof kreuztal
Treffpunkt
Vorübergehend
neue Öffnungszeiten:

Montag - Freitag
6.30 - 10.30 Uhr und
14.30 Uhr - 18.30 Uhr

Aktuelle Ausstellung // szenenwechsel 65

16.05.2024 bis 16.08.2024

Birgit König & Gerlinde Zantis

Treffpunkt

„Treffpunkt“ ist die erste gemeinsame Ausstellung von Gerlinde Zantis und Birgit König. Beide Künstlerinnen verbindet eine langjährige und intensive Künstlerfreundschaft, die von regelmäßigen gegenseitigen Atelierbesuchen und gemeinsamen Ausstellungsexkursionen geprägt ist. Im Vordergrund steht der beständige Austausch über eigene und fremde Arbeiten, wobei die Unterschiede in der eigenen Arbeits- und Sehweise das bestimmende Motiv sind.

Im Gespräch mit Holger Glasmachers wurde sehr schnell klar, dass die ungewöhnliche Ausstellungssituation im Kulturbahnhof genau der Ort sein könnte, den sie schon lange gesucht haben, um erstmals einen pointierten Dialog ihrer Werke zu realisieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Gerlinde Zantis ist Zeichnerin und hat sich seit ihrem Studium dem Realismus verschrieben. Birgit König ist Malerin und baut ihr Werk in freien Setzungen auf. Zantis arbeitet mit den klassischen zeichnerischen Medien Pastell und Farbstift, König mit Eitempera, einem ebenfalls klassischen Medium der Malerei. Gemeinsam ist den beiden, dass sie wirkmächtige Bildräume aufbauen, die in unterschiedlichen Bildformaten ihren Ausdruck finden.

Birgit König bildet keine realen Räume ab. Ihre Bilder baut sie in zahlreichen ausschließlich horizontalen und vertikalen Pinselsetzungen in Eitempera auf. Die vielfältigen Vernetzungen, Überlagerungen und Brüche der Bildelemente lassen im Auge der Betrachtenden komplexe Bildräume mit changierender Tiefenwirkung entstehen. Über die rein optische Wirkung hinaus transformieren sich diese zu mehr als der Summe ihrer Teile. Birgit König betont dabei, was sie in der Malerei umtreibt, deckt sich exakt mit dem, was einst die amerikanische Malerin Joan Mitchell in einem Interview so beschrieb: „I want to paint the feeling of a space“.

Gerlinde Zantis bildet ebenfalls keine realen Räume ab. Sie schafft Räume von beachtlicher realistischer Wirkung, die ihre Vorlage in der Wirklichkeit haben, dann aber durch das Licht und Schattenspiel den Charakter einer eigenen Welt annehmen, die dem Betrachter als real möglich erscheint. Es sind die Farben zwischen Schwarz und Weiß, mit denen Gerlinde Zantis in ihren Bildern eine eigene Zeit jenseits von Tag und Nacht beschreibt. Orte, Häuser und Landschaften erinnern in dieser Zwischenzeit mitunter an Filmszenen eines Tatorts und ziehen den Betrachter dadurch in ihren Bann.

In der Ausstellung „Treffpunkt“ zeigt Gerlinde Zantis eine Auswahl ihrer Ortschaften und Häuser, allesamt menschenleer und geheimnisvoll. König setzt ihnen ein großes zweiteiliges Werk gegenüber, dessen frei gesetzte Lineaturen in einen spannenden Dialog mit der architektonischen Formensprache von Zantis Arbeiten treten.

Durch die besondere Ausstellungssituation des Kulturbahnhofs können beide Positionen sowohl einzeln als auch zusammen wahrgenommen werden - flüchtig im Vorbeigehen ebenso wie intensiver in der Nahsicht. Genau das hat die Künstlerinnen überzeugt, an diesem Ort zum ersten Mal eine Ausstellung und Korrespondenz ihrer so verschiedenen Werke zu realisieren. Die Betrachtenden sind eingeladen, sich ohne Deutungsvorgaben allein den Bildern anzunähern und den Bildraum und das Bild im Raum zu erforschen. Wenn dabei eine Kommunikation entsteht, entwickelt sich eine Vernetzung der eigenen Realität und den eigenen Empfindungen mit der Bildwirklichkeit und eine Empfindung von Raum.