Szenenwechsel im
Kulturbahnhof kreuztal
In eigener Sache
Vorübergehend
neue Öffnungszeiten:

Montag - Freitag
6.30 - 10.30 Uhr und
14.30 Uhr - 18.30 Uhr

Aktuelle Ausstellung // szenenwechsel LI

Kreuztalkultur

In eigener Sache

Seit vielen Jahren prägt Kreuztalkultur die Kulturlandschaft im Siegerland mit. Fast immer dabei: das Auge des Fotografen. Über die Zeit hat sich dadurch ein eindrucksvolles Archiv an Fotos gebildet, von denen nun eine Auswahl im Kulturbahnhof in Kreuztal zu sehen ist. 66 Fotografien bilden einen Teil des kulturellen Lebens in der Stadt am Fuße des Kindelsbergs ab – vom kleinen aber feinen Kinderkonzert in Dreslers Park, über Shows mit viel Technik, Licht und Publikum, bis hin zu bekannten und unbekannteren Namen aus den Bereichen Kabarett, Kleinkunst, Literatur, Comedy und Musik.

Bei der Betrachtung wird deutlich: die Protagonisten der deutschen und internationalen Kulturbranche haben sich in der Vergangenheit in Kreuztal die sprichwörtliche Klinke in die Hand gegeben. Momentaufnahmen der Auftritte von Konstantin Wecker, Pat Metheny, Roger Willemsen, Gerburg Jahnke, Dieter Hildebrandt, Jan Gabarek, Joachim Krol, Volker Pispers, Wilfried Schmickler oder Marie Louise Marjan reihen sich zu einer imposanten Retrospektive aneinander, freilich ohne den Anspruch auf Vollständigkeit, für dessen Erfüllung die öffentliche Ausstellungsfläche im Kulturbahnhof sowieso bei Weitem nicht ausreichen würde.

Aber auch so zeigt sich, was generell selbstverständlich sein sollte: Kultur ist mehr als der bloße Tausch von Geld gegen Entertainment, mehr als ein, zwei Stunden Ablenkung vom Alltag. Kultur ist Kunst von Mensch zu Mensch in ihrer ursprünglichsten Form, ist bunt, lebensfroh, leidenschaftlich, vielfältig, abwechslungsreich, sinnlich, sinnstiftend, verbindend,  kontrovers, versöhnlich. Und auch diese Aneinanderreihung von Adjektiven ließe sich, ebenso  wie die Reihen aus Fotografien, im Kontext beliebig erweitern.

Kulturelle Veranstaltungen, wie sie Kreuztalkultur nun schon seit vielen Jahren mit viel Herzblut organisiert und durchführt, sind aber immer auch Business. Keine Show ohne Choreographen, Dramaturgen, Texter, Techniker, Künstleragenturen, Bühnenbauer und -helfer, Gastronomen, Caterer, Klavierstimmer, Fahrer, Reinigungskräfte, Lieferanten, Hausmeister, Tourbegleiter, Sicherheitspersonal, Handwerker und nicht zuletzt ohne die Künstler und Künstlerinnen selbst.

Ohne die nötigen finanziellen Mittel, ohnehin in vielen Fällen nur mit Förderungen und Sponsoren zu stemmen, entsprechende Arbeitskräfte und das über Jahre und Jahrzehnte geschliffene Zusammenspiel verschiedener Unternehmen, Berufe und Personen, wären Tourneen und Auftritte von Künstlern sicherlich möglich, aber wahrscheinlich seltener und nur für einen kleineren Personenkreis zugänglich.

Nach dem Motto „First in, last out“ hat die deutsche Kulturbranche dank Corona in den letzten anderthalb Jahren wohl ihre mit Abstand größte Krise der jüngeren Geschichte erlebt bzw. erlebt sie bis heute. Laut einer „Betroffenheitsanalyse der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie“ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aus dem Februar 2021, ist der Markt für darstellende Künste mit einem Umsatzverlust von 85 Prozent besonders stark betroffen. Weiterhin stark betroffen sind u.a. der Musikmarkt (Umsatzverlust 54 Prozent) und der Kunstmarkt (Umsatzverlust 51 Prozent). Daher möchte Kreuztalkultur, obschon als kommunaler Kulturveranstalter nicht in gleichem Maße betroffen, die nun eröffnete Ausstellung auch dazu nutzen, die Betrachter einmal mehr auf diesen beträchtlichen Kollateralschaden der Corona-Pandemie aufmerksam zu machen, dessen unmittelbaren und langfristigen Folgen nicht nur eine Gefahr für die Vielfältigkeit und den Reichtum an flächendeckenden und niedrigschwelligen kulturellen Angeboten darstellen, sondern auch katastrophale Auswirkungen entlang der kompletten Wertschöpfungskette der Kulturbranche entfalten.

Was kann man tun? Neben Förderprogrammen und Hilfsgeldern seitens der Politik und von Vereinen, Initiativen und Verbänden, braucht Kultur das Publikum nun mehr denn je. Der Apell muss lauten: Besucht Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen. Haltet an Eintrittskarten für Veranstaltungen fest, die pandemiebedingt verschoben werden mussten. Beschenkt Eure Lieblingsmenschen mit Tickets und Gutscheinen. Man sagt, der Applaus sei das Brot des Künstlers, wenngleich damit „nur“ eine Art von Seelennahrung gemeint ist. Die Voraussetzungen für ihre Ernte wurden und werden jedoch fast ausnahmslos mit klingender Münze geschaffen. Nur der Besuch von Kulturveranstaltungen führt dazu, dass Künstlerinnen und Künstler, Agenturen und Veranstalter auch wirtschaftlich wieder in sicheres Fahrwasser geraten.